HPW-Stiftung: Aus großer Liebe entsteht bleibendes Engagement

9. Okt. 2026

Zwei wie wir, die dürfen sich nie verlieren 

Unwahrscheinlich schön, unglaublich tragisch, wirklich berührend. Manchmal sind es schicksalhafte Wendungen des Lebens, die in Menschen das Bedürfnis stark werden lassen, sich für andere zu engagieren. Die HPW-Stiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung Berlin ist ein wunderbares Beispiel dafür. Die Geschichte, die zu ihrer Gründung geführt hat, lässt den Zuhörer an Udo Lindenberg´s „Hinterm Horizont“ denken. Den Song schrieb der Musiker für eine ebenfalls tragisch verstorbene große Liebe und singt: „Zwei wie wir, die dürfen sich nie verlieren.“ Cathrin Willer hat die Stiftung im Gedenken an ihren Anfang des Jahres verstorbenen Mann Hans-Peter Willer gegründet. Es sei eine große Liebe gewesen, erzählt die Witwe. Eine Liebe, die noch dieses Jahr mit dem 40. Hochzeitstag gekrönt worden wäre, kurz nach Hans-Peter Willers 70. Geburtstag, den er nicht mehr erlebt hat.

Eine große Liebe

Jung waren die beiden Charlottenburger als sie zusammenkamen. Er ruhig und besonnen, sie quirlig und impulsiv, waren sie ein Gespann, das sich heftig rieb und wundervoll ergänzte. Sobald sie ihre Ausbildungen beendet hatten, zogen sie in die erste eigene Wohnung nach Wilmersdorf. Weil Cathrin Willer es schon aus ihrer Kindheit kannte, gehörte bald ein Laubenpieperleben dazu, die Wochenenden im Schrebergarten wurde ihrer beider Leidenschaft. Als sich später die Gelegenheit bot, in Teltow ein Grundstück zu erwerben, entschieden sich die Willers zu bauen und von nun an einen Garten am Haus zu haben.

Viele Jahre war das Leben ungetrübt und schön, doch dann zogen dunkle Wolken auf. Hans-Peter Willer wurde krank. Erst der Tremor und das Zittern, die das Arbeiten zur Qual und bald unmöglich machten. Dazu die Hustenattacken, die immer öfter auftraten und sich als COPD entpuppten. Und schließlich auch noch ein aggressiver Lungenkrebs, der schnell streute und alle Hoffnung auf baldige Genesung in Frage stellte. Ob die zahlreichen Erkrankungen des ehemaligen Elektroinstallateurs darauf zurückzuführen waren, dass er auf einigen Baustellen mit dem gesundheitlich bedenklichen Material Asbest arbeiten musste, kann man nur vermuten. Zuletzt brachte eine Chemotherapie noch einmal Hoffnung auf Verbesserung, doch als die behandelnden Ärzte dem Paar eröffneten, dass die Werte immer schlechter würden und man nichts mehr tun könne, schien eine Verlegung in ein freundliches Hospiz der letzte Trost. Doch dazu kam es nicht mehr. Eine Lungenentzündung schwächte Hans-Peter Willer so sehr, dass die Ärzte von einer Verlegung abrieten.

Ein würdevoller Abschied

Das Palliativ-Team des Krankenhauses Waldfriede tat alles, um dem Sterbenden die letzten Tage so angenehm wie möglich zu machen. Die Schwestern, die jeden Wunsch von den Augen ablasen, die Ehrenamtlichen des Besuchsdienstes, die vorlasen oder Gitarre spielten, und auch seine Familie, die so oft wie nur irgendwie möglich bei ihm war. Als er schließlich seine letzten Atemzüge tat, hielt Cathrin Willer seine Hand und eine letzte Nachtwache bei ihm. Erst dann nahm sie endgültig Abschied. Eine traurige Geschichte, könnte man sagen, doch die Witwe ist voller Zuversicht. Ein Lied, dass sie in diesen Tagen zum ersten mal hörte, schien eine Botschaft zu enthalten. Seitdem ist sie überzeugt: Wann immer eine Feder vom Himmel fällt, ist das ein Zeichen ihres Mannes, der sagt: Sei nicht traurig, ich bin da.

Weil seine Frau ihn nie alleine ließ, starb Hans-Peter Willer friedlich und hinterließ die Erkenntnis, dass ein Mensch auf den letzten Metern seines Weges liebevolle Begleitung braucht. Damit das möglichst vielen Menschen in ihrer letzten Lebensphase zuteil wird, gründete Cathrin Willer im Gedenken an ihren Mann die HPW Stiftung. Deren Zweck ist die Hospizbewegung und Palliativarbeit zu fördern und Menschen auf ihrem letzten Weg eine würdevolle Begleitung, menschliche Zuwendung und kompetente Unterstützung zu ermöglichen. Niemand soll alleine sterben müssen. Betroffene und ihre Angehörigen sollen unterstützt werden und diejenigen gestärkt, die sich tagtäglich mit großem Engagement für Menschen am Lebensende einsetzen.

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